13
x

Portrait

Adlertag

Mein Leben

Als kleiner Junge war es für mich immer das Größte irgendwann einmal Bundesliga zu spielen. Dass es für mich jedoch so turbulent kommt, hätte ich nie gedacht.

mehr erfahren
x

In meiner Zeit beim VfB Leipzig musste man mich erst zu meinem Glück zwingen und mich ins Tor stellen, damit ich kapiere, dass ich in diesem Bereich ein besonderes Talent habe. Doch Talent haben viele. Es brauchte eine Mischung aus Disziplin, Ehrgeiz, Glück und eben Talent, um seinen Traum vom Profifußball zu verwirklichen. Wahrscheinlich sind Ehrgeiz und Disziplin für mich das Entscheidende auf dem Weg nach oben gewesen – aber ebenso wahrscheinlich haben Sie auch zum Weg in die andere Richtung beigetragen. Beim Thema Glück sieht es nicht anders aus. Viele Zeitungen haben oft über den Pechvogel Adler berichtet. Doch sind wir mal ehrlich und schauen uns das ganze Bild an. Ich hatte viel Glück, um erst einmal so weit nach oben zu kommen. Ich hatte das Glück mein Talent entdecken und beim VfB Leipzig entwickeln zu dürfen. Glücklicherweise war mein erster Torwarttrainer mit René Müller jemand, der mir schon damals nahelegte Fußballspielen zu lernen und mich eben nicht nur auf das Torwartspiel zu fokussieren. Davon profitiere ich noch heute. Als ich mit 15 Jahren einen Haufen Angebote von nationalen sowie internationalen Klubs auf dem Tisch liegen hatte, war es im Nachhinein äußerst glücklich, dass Rüdiger Vollborn sich dafür entschied, sein Dachgeschoss für mich auszubauen und mich bei sich aufzunehmen. Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht zu Bayer 04 gegangen und hätte mich nicht so entwickelt wie es letztlich geschehen ist. Glücklicherweise machte ich am 25.02.2007 auf Schalke ein sehr gutes erstes Bundesligaspiel. Und zum Glück hatte mit Michael Skibbe einen Trainer, der weiterhin auf mich setzte, und somit den Grundstein meines Aufstiegs zum Nationaltorwart legte. All dies hätte weniger glatt laufen können, womit wir beim zweiten Teil meiner Karriere wären.

Rippenbruch lautete die Diagnose. Fast ein Jahr lang spielte und trainierte ich mit Schmerzen. Doch Schmerztabletten gehörten in dieser Zeit für mich ja quasi zum täglich Brot. Da waren sie also – die fleischgewordenen Stammtischphrasen. Du musst kämpfen Junge. Beiß dich da durch. Nur dass mir dies kein Geringerer einredete, als mein eigener Kopf, mein Ehrgeiz. Doch irgendwann war selbst der verbittertste Ehrgeiz zu schwach, um dem entstandenem künstlichen Gelenk an meiner Rippe standzuhalten.

Es war Anfang 2010, als ich das Vertrauen des Bundestrainers bekam und als deutsche Nummer 1 für die anstehende Weltmeisterschaft nominiert wurde. Zwei Monate und etliche Schmerztabletten später saß ich mit Tränen in den Augen am Frühstückstisch meinem Bruder gegenüber. Ich konnte nicht mehr. „Das ist es nicht wert“, waren die Worte meines Bruders – und er hatte Recht.

Als mir klar wurde, dass ich die WM absagen muss, war es Segen und Fluch zur gleichen Zeit – nur dass ich den Segen erst viel später erkannte. Ich sah meinen Traum kurz vor dem Ziel zerplatzen. Mein Konkurrent spielte gut und verteidigte seine Position im deutschen Tor. Für mich hieß es dagegen, OP, Reha, und danach eine erneute Verletzung. Mehr als 1 Jahr konnte ich nicht dem nachgehen, worauf sich bis dahin mein Lebenssinn gestützt hat. Doch genau das war der Segen an dieser ganzen Misere. Paolo Coelho schrieb in der Alchimist „die dunkelste Stunde ist die vor dem Sonnenaufgang“ – oder um es in den weniger poetischen Worten eines Fußballers auszudrücken „du musst auch mal Dreck fressen, wenn du nach oben willst“. Ich war oft am Rande des Aufgebens und hatte verdammt nochmal Angst, aber genau diese Zeit hat mir gezeigt, dass der Fußball nicht alles ist.

Ich bin heute 28 Jahre. Ich weiß was ich kann und habe es vielen Menschen zeigen können. Ich weiß, dass ich das Glück habe den für mich schönsten Beruf der Welt auszuüben. Doch vor allem weiß ich, dass es mein Beruf ist – und nicht mein Leben. Mit dieser Erkenntnis lebt es und spielt es sich viel leichter. Und genau das ist es, was ich in Hamburg vorhabe.

x

Adlertag

6:30 Uhr

early bird.

Mit Langschläfer-Qualitäten. Ich kann eben links wie rechts - und früh wie spät.

x

Adlertag

6:50 Uhr

KAFFEE!

In der Ruhe liegt die Kraft – bei Cappuccino und einem Brot mit Schokoaufstrich.

x

Adlertag

7:30 Uhr

Zwischen den Pfosten?

Fußball bedeutet mir viel – aber nicht alles. Ich fühle mich wohl zwischen den Pfosten — aber auch in meiner Wohnung, mit meinen Bildern, Büchern und dem Flatscreen vor der Couch.

x

Adlertag

7:58 Uhr

Eppendorf mit Momo.

Frische Hamburger Luft – für mich und Momo – Der morgendliche Spaziergang mit dem Hund fällt nur aus, wenn wir auswärts spielen – Sorry, Momo...

x

Adlertag

8:25 Uhr

Der Adler im Anflug.

Der Weg zur Arbeit. Für mich bedeutet es Glück, pure Freude und Passion. Der Job auf der Linie. Nicht am Schreibtisch. Wetter? egal.

x

Adlertag

8:50 Uhr

Arbeitsplatz: Stadion.

Handy aus, Handschuhe an – immer „zu null“ trainieren!

x

Adlertag

10:45 Uhr

Grundlagen schaffen.

Wer hoch fliegen will, muss Grundlagen schaffen. Ausdauer, Kraft und Fitness sind auch beim Schlussmann gefragt.

x

Adlertag

17:30 Uhr

Neben dem Platz.

Entscheidend ist auf dem Platz – meistens. Auch abseits des Spielfelds gibt es einiges zu „halten“ – Interview-Anfragen, Sponsoren-Meetings und andere Termine gehören für mich absolut zum Job.

x

Adlertag

19:25 Uhr

Feierabend.

Hamburg – fast schon meine Perle. Die Hansestadt hat unglaublich viel zu bieten – auch für „beinahe-Rheinländer“ wie mich.

x

Adlertag

21:00 Uhr

Adler anders.

Vielleicht legt man besonders viel Wert auf ein entsprechendes Erscheinungsbild, wenn man tagsüber dauernd in den Dreck springen muss ...

x

Adlertag

22:30 Uhr

Die große Freiheit der Nr.1.

Ich lebe für meinen Sport. Einhundertzwanzigprozentig. Das heißt für mich aber nicht, dass jeden Tag um neun das Licht ausgeht und ich mich mit der Vereinsbettwäsche zudecke.

x

Adlertag

22:50 Uhr

Nacht. Schicht.

Seltsam aber wahr. Ich gehe gerne mit Freunden aus. Sehe mir gerne Ausstellungen, Kinofilme oder auch mal hippe Restaurants und Bars an. Aber irgendwie freue ich mich schon immer auf das nächste Training – seltsam?

13